KOBIL Chip-TAN Generator Reparatur und Mod

Teil 1: Displayreparatur

Für Banküberweisungen verwende ich einen optischen Chip-Tan Generator der Firma Kobil, wie üblich mit Branding einer Bank. Leider stelle ich immer wieder unterwegs fest, dass ich mal eben eine Überweisung tätigen muss, aber der Generator zu Hause liegt. Auf der Suche nach einem weiteren Gerät für den mobilen Einsatz, stellte ich fest, dass es eine Menge Geräte im Internet gibt die sehr günstig als defekt verkauft werden oder per Auktion über den Tisch gehen.

Die meisten Beschreibungen liefen auf ein defektes Display hinaus, wodurch Buchstaben und Zahlen kaum lesbar dargestellt wurden.

Nach etwas Überlegung und einer Internetsuche, welche die Vermutung bestätigte, konnte es eigtl. nur ein Kontaktproblem am Displaykabel sein. Nach Eintreffen eines solchen defekten Gerätes bestätigte sich das Displaykabelproblem.

Zum öffnen des Gehäuses müssen zuerst vier Schrauben gelöst werden, im Bild Gelb markiert. Dann kann man die Abdeckung entfernen und muss anschließend zwei weitere Schrauben lösen, blaue Kreise im Bild rechts. Dadurch entfernt man die Kartenführung und gelangt an die Platine.

Oben muss nun die Abdeckung der Foto-Sensoren abgenommen werden und anschließend kann man die Platine einfach heraus kippen.

Zur Behebung des Displayproblemes muss man nur den Kontakt auf Platine und Glas der Displayleiterbahn wiederherstellen.

Dies kann man auf verschiedene Varianten durchführen:

Das Displayglas vor Hitze schützen (z.B. Metallblättchen), mit einem Heißluftföhn die Kontaktflächen abfahren und dann mit einem Rakel überall andrücken bis die Lötflächen erkaltet sind. Das Display kann sich dabei einfärben, das sollte aber nach einer Weile verschwunden sein.

oder

[Abschnitt aktualisiert 01.09.2023]
Mit einem einstellbaren Lötkolben (bis maximal 180 °C am Kabel und die Lötfläche am Ende des Kabels, im unteren Bereich der gelben Markierung im Bild, mit 200 °C (danke @Peter)) und einer großflächigen Spitze die Kontaktflächen des Displaykabels “nachlöten”. Dabei darauf achten, nicht zu viel Druck auszuüben und die Kontaktzeit sehr gering zu halten (Lötkolbenspitze zügig hin und her bewegen). Lieber sehr kurz durchführen, danach testen und ggf. noch mal durchführen, bevor das Displaykabel schaden nimmt.

oder

Mit der Spitze einer Heißklebepistole die Kontaktflächen des Displaykabels “nachlöten”, natürlich ohne dabei Heißkleber im Gerät zu haben.

Ist dies durchgeführt, sollte das Display wieder komplett funktionieren. Wenn nicht, erneut durchführen.

Es ist nicht notwendig eine EC-Karte zum testen zu verwenden, es reicht ein Stück Pappe in entsprechender Größe oder eine beliebige Plastikkarte. Das Gerät aktiviert sich durch das einführen und zeigt anschließend bereits ausreichend Text an.

Teil 2: USB Stromversorgung

Für den mobilen Einsatz und den genervten Endverbraucher, der sich mit leeren und nicht vorhandenen CR2025 Knopfzellen herumschlagen muss, gibt es auch eine Lösung. Denn das Gerät läuft mit handelsüblichen 5V aus dem USB Kabel.

Dazu müssen nur VCC an V+ und Ground an V- auf der Platine angelötet werden.

Da ein herumhängendes USB Kabel an dem Gerät recht unschön und nervig ist, habe ich einfach einen Micro-USB Port eingebaut. Und ich habe außerdem immer ein Set aus Micro-USB Kabel und gängigen Adaptern ( Lightning, USB-C, USB (für OTG)) dabei, welches ich mal kostenlos bekommen habe.

Da ich die Micro-USB Buchse alleine zu anstrengend zu löten finde, habe ich solche Buchsen mit Platine. Die gibt es, falls gewünscht, auch mit USB-C bei den üblichen Händlern. Damit diese aber passt, muss das Gehäuse etwas angepasst werden. Also Buchsenöffnung und Aussparung für die Platine auf einer Batterieseite heraus schnitzen.

Je nachdem, wie ausgiebig sich man mit der Verlegung der Kabel beschäftigt, muss man ggf. eine Öffnung für ein Kabel erstellen. Man könnte das Kabel, wenn man es schöner machen möchte, aber einmal außen herum um die Batterieaussparungen legen. In meinem Fall war V+ auf direktem Weg verfügbar, für V- habe ich das Kabel einmal in die vorhandene Aussparung der Batteriehalterung gelegt und eine kleine Öffnung im rechten Batteriefach heraus geschnitzt, um zum Kontakt zu kommen.

Die Platine habe ich bei den Tests mit Isolierband umwickelt, könnte man weg lassen, stört aber nicht. Nach dem Verlöten habe ich eine gute Portion Heißkleber auf und um die Platine gegeben und den Deckel verschlossen. Leider war ich etwas zu langsam, weswegen ich jetzt einen minimalen Knuppel habe. Prinzipiell lässt sich das alles plan herstellen.

Damit die Batterieabdeckung stressfrei zu geht, ohne dass das Kabel in der Position verrutscht, habe ich dieses ebenfalls mit Heißkleber fixiert. Denn viel hilft viel…oder so.

Das Endergebnis sieht dann so aus. Alles funktioniert und die ersten Überweisungen habe ich damit schon durchgeführt.

34 Gedanken zu „KOBIL Chip-TAN Generator Reparatur und Mod“

  1. Ich habe es gerade ausprobiert. Leider zeigt das Display nun gar nichts mehr an. Ich bin mit meiner Heißklebepistole (neu und ohne Kleber) mehrmals über den unteren Teil der gelb umrahmten Fläche gefahren. Hat meinem defekten Teil wohl den Rest gegeben. Aber ein Versuch war es wert! Ist es vielleicht zu heiß geworden? Oder hätte ich auch näher am Display “löten” müssen? Hab leider null Ahnung von so etwas. Aber trotzdem toll, dass es Leute gibt, die solche Anleitungen in Netz stellen und so unnötigen Technikschrott vermeiden! Danke!

    1. Es könnte zu heiß geworden sein, aber dann müsste man Schmelzspuren im oder am Kabel sehen, denke ich. Da es aktuell sowieso nicht mehr geht, leider, könnten Sie es auch oben am Display probieren. Aber unbedingt darauf achten, dass es nicht zu heiß wird, damit Kabel und Display keinen Schaden nehmen…falls es doch noch nicht kaputt ist 🙂 Viele Grüße Mario

  2. Hi Mario!
    Danke für Deine Reperaturanleitung. Damit habe ich den Generator wieder „hingekriegt“. Brauchte zwei Versuche. Nochmals vielen Dank!!!
    Tip: Inzwischen bin ich aber auf Qr-Code Generator umgestiegen, da dies zuverlässiger und schneller funktioniert.

    1. Vielen Dank für die gute Idee. Da mein Gerät sowieso unbrauchbar war und ich mir bereits einen Neuen gekauft hatte, habe ich einben Versuch gewagt.
      Ich bin mit meinem Weller-Lötkolben mit 5mm breiter Lötspitze (sieht aus, wie ein die etwas zu dicke Klinge einen Schraubendrehers) langsam über die Kontakte des Glases und anschließend über die der Platine gegangen. Anschließend zusammengebaut und er geht wieder.
      Den reparierten TAN-Generator bekommt nun mein Sohn, der ihn eh immer holt und nie zurückbringt 🙂

    1. Es wurden keine extra Schrauben benutzt, die vorhandenen können weiterhin genutzt werden. Sollten diese verschwunden sein, es sind M1.7×6 Flachkopfschrauben. Die bekommt man im hunderter Pack, bei vier notwendigen Schrauben ist ein Kauf also eher sinnlos. Alternativ gingen selbstschneidende Holz/Blechrauben wie zum Beispiel: https://www.ebay.de/itm/114991853047

      …oder man sucht sich irgendwo in einem alten Gerät solche kleinen Schrauben, denn da sind die recht üblich.
      …oder man klebt den Deckel einfach mit Sekundenkleber oder Heißkleber fest.

  3. Ich bin total begeistert von diesem simplen wie genialen Lösungsweg! Es hat nicht gleich beim ersten Mal geklappt, im Gegenteil, erstmal wurde es schlechter. Ich bin dann, wie angeraten, noch zweimal über alle Kontakte drübergegangen und dabei auf jedem einzelnen Kontakt ca. 5 sec geblieben, und jetzt ist das Display wie neu! Vielen Dank für diese gute Anleitung!

  4. An der einen Stelle habe ich die Kabel mit dem Lötkolben durchgebrannt (wo sie in der Luft hängen), dafür funktioniert das Display an den meisten anderen Stellen wieder.
    Und die durchgebrannte Stelle wird nicht gebraucht fürs online banking…
    Fazit: Einen gut genug funktionierenden Generator, 20€ gespart und eine Erfahrung mehr – läuft!

  5. Vielen, vielen Dank, hat gleich beim ersten Versuch geklappt!
    Ich habe einen einstellbaren Lötkolben verwendet. Habe eine mittlere Stufe verwendet.
    Nun ist momentan das ganze Display wieder perfekt ablesbar.
    Hoffentlich bleibt es langfristig so. 🙂

  6. Diese Seite fand ich nachdem ich mein Gerät auf USB mittels Adapter umgebaut hatte.
    Ich habe zwei Plättchen aus Paltinen-Material ausgesägt, in der Größe der Lithium-Batterien. Diese an ein Kabel angelötet und anstelle der Batterien eingesetzt. Als Kontaktfläche nahm ich zwei Nickel-Plättchen, die ich auf die Kupferschicht auflötete. Noch einen Schlitz in den Deckel gefeilt, um das Kabel heraus zu führen. Am Ende ein USB-Stecker angelötet, das wars. Diese Methode ist weniger invasiv für den TAN-Generator.
    Die Nickel-Plättchen, um Fehlfunktionen, verursacht durch Oxydation der Batterie-Kontaktflächen zu vermeiden. Die Änderung kann auch mit anderen Metall-Plättchen durchgeführt werden. Die müssen hinten isoiert sein, damit die Andruckfeder keinen Kurzschluß bildet. Will man es, kann das Gerät immer noch mit Batterien ausgestattet werden. Der Adapter kann auch für ein neues Gerät verwendet werden.

    1. Achtung: Mein Modell (“HCK0FRT”; Leiterplatte sieht anders aus als auf den Bildern hier) hat hinter den Batterie-Anschlüssen eine Verpolungsschutz-Diode und einen 5V-LDO-Regler (SOT23-5-Gehäuse; Marking “L01B” = LP2980IM5-5.0) verbaut. Ich vermute aber mal, dass das hier auch der Fall ist, nur eben unter der Abdeckung des Kartenschachts.
      Wenn Spannungsregler mit einer zu geringen Eingangsspannung versorgt werden, kann es zu unerwünschten Effekten kommen.
      Daher müsste man für einen sauberen Umbau den Ausgangspin des Reglers hochbiegen und die USB-Buchse mit dem Ausgangs-Kondensator des Reglers verbinden.

  7. Vielen Dank, hat sehr gut funktioniert. Mit Heißluftpistole , 2 mal drüber, circa 3-5s halten pro Kontakt. Perfekt, Kosten gespart und Ressourcen geschont.

  8. Bei mir ist die erste Ziffer (also ganz links) nur teilweise lesbar,das führt öfters zu Falsch-Eingaben.
    Woran kann das liegen?

    1. Wahrscheinlich ist dann nur ein Kontakt vom Display (ganz links) nicht mehr korrekt verbunden, Abschnitt “Teil 1: Displayreparatur” sollte helfen.

  9. Hab das ganze mit der Heißkleberpistole gemacht. War nur so maximal 2 Sekunden pro Kontakt drüber, danach noch mit einem geraden Gegenstand glattgestrichen und die Platine für eine halbe Stunde in den Kühlschrank gelegt.

    Das Display meines fast 15 Jahre alten Geräts geht nun wieder perfekt! Danke!!!

  10. Hab das gleiche Problem mit meinem Kobil Tan Generator gehabt. Display zeigte nach und nach immmer mehr Pixelausfall bis bald fast gar nichts mehr lesbar war. Hab das Gerät aufgeschraubt, (was ich noch super finde) und eine Leiterbahn nach der anderen mit einer Lötstation bei 220 Grad für ca. 5 Sekunden angedrückt. (Heißstempel Lötverfahren). Das Ergebnis: Gerät wieder vollkommen in Ordnung. Danke für diese Informationen (perfekt)

  11. Habe die Fön-Methode erfolgreich durchgeführt und die Kontakte mit einem Bleistift flach aufliegend wieder angedrückt. Zum Abdecken des Displays habe ich eine ausgediente EC- Karte genommen. Fön auf heißeste Stufe mit wenig Gebläse. Ca. 1 Minute draufgehalten aus ca 3 cm Abstand. Display hat sich blau verfärbt, wie angekündigt. Jetzt geht alles wieder und ist perfekt. Super Anleitung, vielen Dank. Habe auch den Kobil TAN Generator, tut schon ewig tapfer seinen Dient👍

  12. ++++Tausend Dank+++ für die hilfreiche und (auch für Nicht- Elektroniker wie mich) verständliche Anleitung ! Mit der Heißluft- Methode und dem Anpressen der Leiterbahnen konnte ich die lückenhafte Display- Anzeige meines Kobil auf Anhieb wieder vervollständigen.

    1. Also, die Heißluftmethode hat auch bei mir sehr gut geklappt!
      Zunächst war ich eher skeptisch, ob das mit meinem relativ groben Heißluft-Pistolengerät so fein und sensibel funktionieren könnte (Semi-Profigerät von Westfalia mit 2 Stufen, 300 °C und 500 °C).
      Aber vorab – es hat, super!
      Hab alles wie oben beschrieben vorbereitet und bin mit der 300 °C Stufe im Abstand von etwa 6 bis max. 4 cm über die Leiterbahnen (gelb markierter Bereich) “gefahren”. Anschließend mit dem Finger die Leiterbahn “abgefühlt” (heiß genug! – oh ja, das Display war schon erschreckend schwarz geworden; wie oben auch beschrieben) und nun mit einem IKEA-Bleistift (hat die passende kurze Form-grins) ca. 3 – 4 Minuten über die Leiterbahnen gestrichen. Dabei am Glas (gesamte gelb gerahmte Fläche) angesetzt und nach unten mit ausreichendem Druck entlang “gefahren”. Display (noch immer kohlrabenschwarz) gemäß Anleitung oben für eine halbe bis drei-viertel Stunde in den Kühlschrank gelegt (Bereich der Lagerung von Fleisch u. Wurstwaren; so kalt wie geht).
      Siehe da – die tiefschwarze Verfärbung ist komplett verflogen – der TAN-Generator zeigt alle Felder wieder an, wie am ersten Tag. Bin restlos begeistert und hoffe daß weitere Nachahmer den gleichen Erfolg haben.

      (Als Parkinsonpatient mit den bekannten feinmotorischen Einschränkungen hab ich zwar fast einen halben Tag; ca. sechs bis acht Stunden benötigt. Aber das war es mir wert und die winzig kleinen Schrauben waren das größte Problem gewesen – Tipp in diesem Zusammenhang: Ein Stück Magnetfolie auf der Arbeitsfläche wirkt wahre Wunder. Und wenn trotzdem mal so ein Winzling runter fällt – ein schwacher Magnet an einer Schnur über die ungefähre Fläche des Fußbodens gezogen hilft die Winzlingschraube wieder aufzufinden…)

  13. Mit bedachter Hitze , Lötkolben über diese Metallblättchen gefahren und gleich alles geschmort. Hier hätte man für den Laien eine ungefähreHitze angeben können. So musste ich schmerzlichst erfahren, dass selbst eine sehr geringe Hitze am Lötkolben viel zu heiß war. Man bin ich gerade angepisst deswegen ! Und fast alle schreiben, dass es super geklappt hat ? Alter Falter, wenn das stimmt, dann bin ich in der Sache doch blöder als ich dachte. Trotzdem könnte ich wegen dieser misslungenen Sache ausrasten………..

  14. Super Anleitung, sehr hilfreich! Vielen Dank für die Mühe, ich hätte den TAN Generator sonst weggeschmissen. Freut mich keinen neuen TAN Generator kaufen zu müssen und der Umwelt etwas gutes getan zu haben.
    Hat mit einem Lötkolben und bei ca. 200 C und 3-4 Sekunden auf die Verbindung bei der Hauptplatine einwandfrei funktioniert (nur die untere Hälfte des gelb markierten Bereichs).

  15. Hat Top Funtioniert. Lötkolben auf 200 Grad, sorgfältig zweimal drüber gegangen und das Display hat direkt wieder super funktioniert.
    Vielen Dank für die tolle Anleitung!

  16. Sie haben mich gerettet! Ich bin nach Ihrer Anleitung vorgegangen und habe mangels einstellbarem Lötkolpen die Methode mit der Heißklebepistole genutzt. Nachdem ich mit der Spitze mehrfach vorsichtig über die Kontaktstelle gefahren bin, habe ich den Generator wieder zusammengebaut und: Es funktioniert einwandfrei.
    Tausend Dank nochmals!

  17. Tausend Dank für die Anleitung! Das Display meines TAN-Generators war nicht mehr lesbar,
    dank der Anleitung, habe ich das Teil gerade mit Hilfe eines Föns in fünf Minuten wieder repariert.
    Genial 🙂

  18. Danke für den Tipp.

    Habe das Display abgedeckt, die Kontakte mit einen breiten Edelstahlspachtel angedrückt und selbigen mit 200°C Heißluft ~30 Sekunden erwärmt.

    Funktioniert wieder prima 🙂

  19. Klappt damals wie heute!
    Methode: Heißklebepistole, pro Kontakt ca. 3-5 sec sanft andrücken, vorm Zusammenschrauben unbedingt testen, ggf. Pins unterhalb fehlerhafter Spalten nacharbeiten.
    Vielen Dank für die Anleitung!

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